Es gibt eine sehr schöne Zusammenfassung der Geschichte des Edlehofes von Thorsten Neubert-Preine die wir hier auf keinen Fall vorenthalten wollen:

Landesbergen (Edelhof)

Ritter 01Der so genannte Edelhof zu Landesbergen befindet sich unmittelbar an der Bruchkante zur Wesermarsch. Nach langläufiger Meinung befand sich der Hof ursprünglich im Besitz des seit dem 11. Jahrhundert bekannten Adelsgeschlechts derer von Landesbergen, von dem der Ort letztlich auch seinen Namen haben soll.

Die Gebrüder Everhardus und Henricus von Landesbergen waren im 12. Jahrhundert Gefolgsleute Herzog Heinrichs des Löwen (1129-1195), dessen Machtgebiet bis an die Weser reichte. Sie erhielten für ihre Dienste zahlreiche Lehngüter und Höfe, so auch Höfe in Sullede an der Weser. Bischof Anno von Minden (1170/71-1185 im Amt) soll ein Bruder der beiden Edelherrn gewesen sein und für seine Brüder eine Kirche bei ihrem neuen Besitztum erbaut haben. Ende des 12. Jahrhunderts erscheint dann auch erstmals der Ortsname Landesbergen anstelle von Sullede, so dass die Namensänderung des Ortes höchstwahrscheinlich während der Amtszeit des Bischofs Anno erfolgte. Allerdings gibt es keinen sicheren Beleg dafür, dass es sich bei dem Hof in Landesbergen in jener Zeit bereits um einen Adelssitz oder ein „freies Gut" (Allod) gehandelt hat, wie es nicht zuletzt in der Matrikel der Hoya-Diepholz'schen Landschaft behauptet wird. Die Frage, ob es sich bei Landesbergen um ein Lehn der Allodium handelte, blieb bis ins 19. Jahrhundert strittig und konnte auch nicht eindeutig geklärt werden.

Neben den von Landesbergen hatte auch die Familie von Münchhausen zumindest seit Anfang des 16. Jahrhunderts einen Hof, sowie den Weserzoll und diverse Ländereien in Landesbergen von den Grafen von Hoya zu Lehen. In der Folgezeit belangte Clamor von Münchhausen, Herr auf Brokeloh, auch in den Besitz der Höfe der Familie von Landesbergen. Nach bisheriger Auffassung soll dieser Besitzerwechsel damit zusammenhängen, dass Clamor von Münchhausen mit Elisabeth von Landesberg verheiratet war. Jedoch konnte bisher keine Verbindung zwischen Elisabeth von Landesberg und den Höfen in Landes-bergen hergestellt werden. Das Ehepaar wohnte in Brokeloh, das als Teil des Stammsitzes der Familie von Münchhausen angesehen werden kann. Dort begann Clamor von Münchhausen 1545 mit der Errichtung einer Wasserburg.

Im Jahre 1582 erbte sein Sohn Erich Hans von Münchhausen (1556-1618) den Familienbesitz. Er blieb wie seine Eltern auf dem Gut Brokeloh wohnen, das er um 1600 als Vier-Flügelanlage vollendete. Diese Baumaßnahmen erforderten zweifelsohne erhebliche Geldmittel. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass er 1598 sein altes Recht geltend machte, die Schiffer an der Weser bei Landesbergen anzuhalten und Zoll zu erheben.

In Landesbergen hat sich im Innern des Wohnhauses auch ein Zeugnis der Münchhausen erhalten. Am Kamin, der mit Sandstein eingefasst ist, kam bei Renovierungsarbeiten ein aufwändig gestalteter Wappenstein der Familie ans Tageslicht. Er stammt möglicherweise aus der Zeit, als der Hof in Landesbergen zur Zollstelle hergerichtet wurde. Der Kern des heutigen Herrenhauses, ein einfacher Fachwerkbau mit sehr steilem Satteldach und kleinem, rechtwinkelig angebauten Wirtschaftstrakt, dürfte daher im 16. Jahrhundert errichtet worden sein.

Die zusätzlichen Einnahmen durch den Weserzoll in Landesbergen konnten die schwierige finanzielle Lage von Erich Hans von Münchhausen aber offensichtlich nicht sonderlich verbessern, denn bereits 1602 geriet er nach langjährigen und kostspieligen Prozessen in Konkurs, so dass er seinen Besitz in Brokeloh und Landesbergen 1610 bzw. 1614 an den Oberstleutnant Otto Plato von Helversen verkaufen musste. Die Tochter des neuen Besitzers, Dorothea, war mit Gottfried von Schwan verheiratet, der „mit Consens des Herzogs Friedrich Ulrich von Braunschweig und Lüneburg" (1591-1634) das in jener Zeit als Tannenhof bekannte Anwesen übernahm.

Im Jahre 1682 wurde der Beitrag für die Hoyasche Landschaft mit Dorotheas Sohn, dem Regierungsrat Christian Sigfriedt von Schwan verhandelt, der das Gut 1688 an den Hoyaschen Land- und Schatzrat Curdt Albrecht von Hasbergen (1657-1732) veräußerte. Der neue Besitzer war seit 1686 mit Sophie Ilse Schenk von Winterstedt (1667- 1726) verheiratet und Erbe von Rittergütern im benachbarten Estorf und Nienburg.

Von Curdt Albrecht von Hasbergen findet sich noch der Rest eines Brunnenrings im Gutsgarten, der in neuerer Zeit auf ein altes Ritterepitaph gesetzt wurde. Bei dem abgebildeten Ritter handelt es sich aber um den im 30jährigen Krieg gefallenen Werner von Niehus, der ansonsten mit dem Hof in Landesbergen nichts zu tun hat.

Auf dem Brunnenstein finden sich die Namen der Eheleute „Curdt Albrecht von Hasbergen" und „Sophie Ilse Schenken von Winterstet", sowie die Datumsangabe „12. Juny 1689“. In der Matrikel von 1702 ist der „Ober-Hauptmann Cord Albrecht von Hasberg" als Eigentümer eingetragen, der mit dem vorgenannten aber identisch ist.

Der Sohn und Erbe Kammerherr Georg Albrecht von Hasberg (1706-1764) war wie sein Vater Hoyascher Land- und Schatzrat. Er verkaufte den Besitz in Landesbergen 1734 an Anthon Adam von Mansberg (1698- 1759) und zog sich nach Nienburg zurück, wo er im September 1764 auch verstarb.

Anthon Adam von Mansberg war in den Niederlanden geboren und seit 1715 Inhaber des Lehnguts Meinbrexen bei Fürstenberg/Weser. Er galt als hochgebildet und einflussreich und verkehrte in höchsten Kreisen. So heiratete er 1726 in London Anna Luise von Hattorf (1707-1762), die Tochter des „Ersten Ministers" am englischen Hof, Johann Philipp von Hattorf (1682- 1737). Aus dieser Ehe gingen neben drei Töchtern auch zwei Söhne hervor, die aber beide früh und unverheiratet verstarben. Der Kauf des Edelhofes in Landesbergen war möglicherweise als Absicherung für die Töchter gedacht. So hatte dann auch Anna Juliane von Mansberg (1744-1830) nach dem frühen Tod ihrer Eltern und Brüder in Landesbergen eine Bleibe, denn Meinbrexen wurde anderweitig verlehnt. Sie heiratete 1764 den späteren Major und „Obrist-Lieutenant" Georg Philipp von Bothmer (-f 1791), der als ältestes von insgesamt 5 Kindern „landloser" Eltern in Senneckenrode bei Göttingen geboren wurde. Bereits kurz nach der Übernahme des Besitzes in Landesbergen durch Rittmeister von Bothmer erfolgte seitens der Landschaft eine Untersuchung der „Streitigkeit in puncto immunitatis" des Gutes. Über Unstimmigkeiten in dieser Frage war ihm zwar „nicht das geringste bekandt", aber er legte schließlich Dokumente vor, die den Landsyndikus befriedigten. Im Jahre 1770, dem Geburtsjahr des ältesten Sohnes Ernst, ließen die Eheleute von Bothmer neben dem alten Gutshaus in Landesbergen noch einen bescheidenen Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach errichten.

Die zahlreichen Nachkommen, immerhin gingen aus der Ehe 11 Kinder hervor, erhielten die „Haus-Bezeichnung" Landesbergen. Der jüngste Sohn Bernhard machte später eine außergewöhnliche militärische Karriere. Als Generalmajor verlor er in der Schlacht bei Waterloo ein Bein, woraufhin er den Beinamen „Waterloo-Bothmer" erhielt. Noch zu Lebzeiten 1803 verkaufte die verwitwete Anna Juliane den ererbten Besitz an ihren bereits erwähnten Sohn, den Rittmeister und späteren Generalmajor Ernst von Bothmer, der ihn wiederum 1832 an seinen Sohn Friedrich (gest. 1878) übertrug. Friedrich von Bothmer war in jener Zeit Amtsassessor, stieg zum Landschafts- und Schatzrat auf, war für die Hoyasche Brandkasse zuständig und übernahm 1875 auch das Amt des präsidierenden Landschaftsrats in der Hoya-Diepholz'schen Landschaft, das er bis kurz vor seinem Tod ausübte.

Das Gut in Landesbergen erbte Leutnant Arthur von Bothmer, der vermutlich als letzter der Familie auf dem Edelhof gewohnt hat. Da er kinderlos war, vererbte er den Familienbesitz 1891 an seinen Bruder, den Geheimen Legationsrat Ernst von Bothmer (gest. 1906), der in Berlin lebte. Nach dessen Tod kaufte

Friedrich Meyer am 10. September 1906 das fast 70 Hektar große Rittergut und wurde im November 1909 „zur Stimmführung in der 1. Curie und auf dem Landtag zugelassen." Nachdem er seine Frau Meta, geb. Meyer, geheiratet hatte, gehörte das Gut Landesbergen den Eheleuten je zur Hälfte. Der dem eigentlichen Gutshof vorgelagerte Wirtschaftsgebäudekomplex dürfte von der Familie Meyer errichtet worden sein. Schließlich erbte nach Friedrich Meyers Tod seine Tochter Margarete Scharninghausen das Anwesen. Ihre Familie bewirtschaftet den landwirtschaftlichen Betrieb noch heute, ist innerhalb der Hoya-Diepholz‘schen Landschaft aber nicht mehr aktiv.

(Quelle: Die Rittergüter der Hoya-Diepholz‘schen Landschaft, Thorsten Neubert-Preine)